11 Aug

Warum träumen wir oft so merkwürdige Dinge?

Traeume

Das nächtliche Kopfkino, genannt Traum, ist schon eine merkwürdige Sache. Oftmals können wir uns am Morgen nach dem Aufwachen gar nicht mehr richtig an unsere Träume erinnern, aber manchmal da wissen wir noch ganz genau, was wir geträumt haben. Und das ist genau dann, wenn wir wirklich sehr seltsame Dinge geträumt haben… Da können wir dann auf einmal fliegen, durch Wände gehen, mit Toten sprechen, treffen Monster & Co oder haben Sex mit irgendwelchen Berühmtheiten. Das alles erscheint uns so real, so wirklich. Doch wieso träumen wir überhaupt und wieso auch so völlig unrealistische Dinge?

Sigmund Freund war einer der ersten, der sich mit der Analyse unserer Träume auseinandergesetzt hat. Er ging damals schlichtweg davon aus, dass wir im Schlaf unsere geheimen Wünsche ausleben. Allerdings relativierte er seine Aussage insofern, als dass er behauptete, dass diese Fantasien in “maskierter Form”, also quasi verfremdet, in unseren Träumen auftauchen.

Es folgten Jahrzehnte einer regelrechten “Verachtung von Träumen”. Viele Wissenschaftler, darunter der einflussreiche, amerikanische Psychiater Allan Hobson, stellten die These auf, dass Träume keinerlei Bedeutung haben, lediglich “sinnloses Synapsengeflimmere” sind.

Doch inzwischen nehmen Psychiater, Psychologen, Neurologen und weitere Fachleute Träume wieder wichtig und gestehen, dass diese eine wichtige Rolle in unserem Seelenleben spielen. Dass Träume eine Funktion haben müssen, darüber herrscht also Einigkeit. Mit den Erklärungen der genauen Funktion, darüber gibt es allerdings die unterschiedlichsten wissenschaftlichen Theorien. Die einen haben die Auffassung, dass das Gehirn im Schlaf seine Erinnerungen an das Erlebte sichtet, sortiert und einordnet und schließlich neu verknüpft. Dabei kommt es allerdings zu Störungen, es passt nicht alles auf Anhieb zusammen und die Folge sind das Träumen bizarrer und merkwürdiger Dinge.

Andere Neurowissenschaftler gehen davon aus, dass unser Gehirn in der Nacht ähnlich einem Computer arbeitet. Die Träume sind quasi wie eine “Installationssoftware”, die im Erbgut codierten Überlebenstricks werden in der Ruhe während des Schlafes in unser Gedächtnis implementiert. So bereiten wir uns auf alle wahrscheinlichen oder auch unwahrscheinlichen Situationen des täglichen Lebens vor, lernen gefährliche von ungefährlichen zu unterscheiden und sichern uns so “unser Überleben”. Heute ist dieses Erlernen zwar nicht mehr so wichtig als zu Zeiten unserer Vorfahren, aber hätten genau die damals nicht während des Schlafs “gelernt”, so wäre die Menschheit wahrscheinlich ausgestorben.

Allan Hobson, inzwischen scheinbar bekehrt und leidenschaftlicher Traumverfechter, geht sogar noch einen Schritt weiter. Er geht davon aus, dass das träumende Gehirn seine eigene virtuelle Realität erschafft, um damit für das eigene Wachleben zu trainieren. Nachts spielt unser Gehirn, abgekoppelt von der wirklichen Realität ist alles erlaubt.

Für mich persönlich kann ich sagen, dass mich vieles, was mich tagsüber beschäftigt, also, was ich tatsächlich bis zum Schlafengehen anscheinend nicht aufgearbeitet habe, in den Traum “verfolgt” und dort in manchmal völlig verfremdeten Umgebungen, Umständen oder Personen wieder hervorkommt und durchgespielt wird. Somit bin ich sozusagen eher der Sigmund Freund-Typ I, also eine Träumerin, die nach Freund’s ersten Erklärungsversuchen träumt… Aber welche Theorie beschreibt die Tatsache, dass ich noch heute manchmal davon träume, dass ich unvorbereitet in mein Abi gehe? Anscheinend bedarf es hierfür noch weiterer Forschung… 😉

Alle Theorien und Erklärungsversuche haben ihre Daseinsberechtigung und sind nachvollziehbar. Allerdings lassen sie sich nur schwer bestätigen oder widerlegen. Moderne Bildgebungsverfahren wie fMRI lassen Neurowissenschaftler dem Gehirn bei der Arbeit zusehen. Somit kann man zumindest folgende, bemerkenswerte Ergebnisse feststellen: unser präfrontaler Cortex, unser Zentrum für die eigene Persönlichkeit und evolutionsgeschichtlich der jüngste Teil unseres Gehirns, ist im Traumzustand gehemmt. Insofern gibt es im Traum keine Restriktionen, keine Zwänge oder Verbote. Die Fantasie kann sich austoben. Zusammen mit der Erkenntnis, dass der präfrontale Cortex bei unserem Heranwachsen, also unserem Erwachsenwerden, als letztes Areal heranreift, gehen einige Forscher davon aus, dass wir im Traum in den Bewusstseinszustand unserer Ahnen zurückfinden.  Andere vergleichen unser Traumbewusstsein mit dem Denken und Fühlen von Kindern – und denen fallen bekanntlich Dinge ein, auf die ein wacher Erwachsener nie kommen würde…

In diesem Sinne, lasst uns alle daran erfreuen, dass wir unser Leben lang Kind sein dürfen – zumindest in unseren Träumen!
Eure Tanja

P.S.: Ich freue mich über Eure Kommentare zu Euren skurrilsten Träumen…

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